Taz – die tageszeitung, 18. Dezember 2006, René Martens:

Nicht verpassen! - Man muss kein Fan sein, um an Boettchers zweistündigem Film Gefallen zu finden. Dem Regisseur gelingt, auch dank erfrischenden Splitscreen-Einsatzes, ein dynamischer Trip durch fast ein halbes Jahrhundert deutscher Popkulturgeschichte.

A must-see! – No need to be a fan to find yourself enjoying this two-hour film. Thanks, also, to refreshing split-screen passages, the director has succeeded in creating a dynamic tour through nearly half a century of popular German culture. 

 

Der Tagesspiegel, 18. Dezember 2006, Christian Schröder:

Das Beste an „Ich will alles“ sind die Szenen aus Filmen und Fernsehshows, die Boettcher ausgegraben hat. Da singt Gitte „My World Is Music“, und man sieht, was für eine großartige Jazz-Performerin aus ihr hätte werden können.

The best thing about “I want everything” is the movie clips and TV show footage which Boettcher has dug up. There Gitte sings “My World Is Music” and you can see what an exceptional jazz performer she could have become.

 

Berlinske Tidende – 7. November 2006 (dt. Übersetzung der dän. Tageszeitung), Ebbe Iversen:

(...) Auch wenn die Nordischen Filmtage eine entschieden ernsthafte Veranstaltung sind, kann nicht geleugnet werden, dass der Besuch der äußert populären Gitte Hænning ein glamouröser Höhepunkt ist und der Kinosaal ist bis zum Bersten gefüllt. Das gut gelaunte Publikum bekommt auch etwas fürs Geld, denn Marc Boettchers knapp zwei Stunden langer Film zeigt mit Hilfe zahlreicher Interviews und Ausschnitte aus alten Dokumentarfilmen ein zugleich dynamisches und facettenreiches Bild der Sängerin, die bereits 1954 ihren Durchbruch hatte und zum Kinderstar wurde. (...) Heute könnte man sich wünschen, dass Gitte im Laufe der Zeit weniger deutsche Schlager gesungen hätte und mehr Jazz, denn der Film erinnert uns daran, was für eine hervorragende Sängerin sie eigentlich ist – z.B. in einer Szene, in der sie von Andrew Lloyd Webber selbst am Klavier begleitet wird.

»Ich will Alles« enthüllt, dass Gitte Hænning früher eine Beziehung mit dem jetzt verstorbenen Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen hatte, und überhaupt verbindet dieser unterhaltsame Film, der seine Hauptperson nicht nur unkritisch lobpreist, sondern sowohl ihre positiven wie ihre negativen Seiten zeigt, das Private mit dem Professionellen. Sie selbst hat damit überhaupt kein Problem, und als sie nach der Weltpremiere in Lübeck mit lang andauernden stehenden Ovationen geehrt wurde, war sie zu Tränen gerührt.

(...) Even if the Nordic Film Days was quite a serious affair, it cannot be denied that the appearance of the extremely popular Gitte Hænning was a glamorous highlight and the movie theater was full to overflowing.  
The exuberant audience got its money’s worth, because, with many interviews and footage from early documentaries, Marc Boettcher’s film of just under two hours is both a dynamic and multifaceted portrait of the singer, who achieved her breakthrough in 1954 when she became a star while still only a child. (...) Today one could wish that through time Gitte had done fewer German hits and sung more jazz, for the film reminds us what an excellent singer she actually is – for example in a scene where she is accompanied at the piano by Andrew Lloyd-Webber himself. 

“I want everything” reveals that Gitte Hænning had a relationship with string bassist Niels-Henning Ørsted Pedersen, who has since died, and this entertaining film combines both her private and professional life while not only uncritically praising the film's protagonist but also shows her positive and negative traits. She has no problem with that herself and after she was honored at the film’s world premiere in Lübeck with long standing ovations, she was moved to tears. 

Lübecker Nachrichten, 7. November 2006, ph: "Ich will alles" - Gänsehaut mit Gitte Haenning:

In der Damentoilette der Stadthalle, kurz nach dem Film über Gitte Haenning: Zwei Frauen wischen sich die Tränen ab. "Das war so toll. Da kamen so viele Erinnerungen hoch", sagt die eine. Plötzlich steht Gitte Haenning vorm Spiegel, auch sie muss ihr Make up richten. Denn auch ihr standen Tränen in den Augen, als sie in Lübeck zum ersten Mal den Film "Ich will alles - die Gitte Haenning Story" gesehen hatte. "Regisseur Marc Boettcher hat eine großartige Arbeit gemacht", sagt die zierliche Sängerin, die zur Filmaufführung ganz in Tarnfarben gekommen war. Wie ist das, wenn man sich als bildhübsche junge Frau auf der Leinwand sieht? "Ach, nicht leicht. Aber so ist es eben", sagt sie, zuckt die Schultern und rauscht zum nächsten Pressetermin.

Gitte Haenning. Man weiß zwar, dass die Dänin auch Jazz macht, aber trotzdem kleben an ihr der Cowboy, den sie gern zum Mann hätte, all die Schlager mit Rex Gildo und zum Schluss die Starke- Frauen-Songs wie "Ich will alles" und "Jetzt erst recht". In dem zweistündigen Dokumentarfilm wird deutlich, wie vielseitig Gitte Haenning in über fünf Jahrzehnten war, nachdem sie bereits mit acht Jahren von ihrem Vater zum Kinderstar gemacht wurde. Immer, wenn sie ganz oben war, erfand sie sich neu: nahm Platten mit Jazzgrößen auf, spielte in Filmen, tanzte in Musicals. Wie sie im zarten Alter von 15 Jahren "Stormy Weather" singt - das macht Gänsehaut. Regisseur Marc Boettcher ("Die Bert Kaempfert Story") gelingt ein differenzierter Blick auf das Leben der Künstlerin, indem er aktuelle Aussagen mit älteren Gitte- Interviews und Statements von Eltern, ihrer Schwester, Ex-Freunden und Kollegen mixt. Mit 80, sagte Gitte einer Freundin, will sie mit einem Glas Whisky in der Hand an der Bar sitzen und "Stormy Weather" singen. Schade, dass man darauf noch 20 Jahre warten muss.

A touching film about the versatile artist’s career of more than 50 years. When it was over, Gitte had tears in her eyes, saying “Superbly done.” The two-hour documentary brings out how versatile Gitte Haenning was during five decades, after her father had made her a star at the age of only eight. Whenever she was at the top, she re-invented herself: making recordings with jazz greats, acting in films, and dancing in musicals. The way she sang “Stormy Weather” as a fifteen-year-old will give you goose bumps. 
Director Marc Boettcher (“The Bert Kaempfert Story”) successfully captures a differentiated picture of the artist’s life by combining recent statements with earlier interviews of Gitte as well as statements by her parents, sister, former partners and colleagues. Gitte says to a girlfriend that when she is 80, she wants to sit at a bar holding a glass of whiskey and sing “Stormy Weather.” Too bad we have to wait 20 more years to see that happen.

Lübecker Nachrichten, 5./6. November 2006, Michael Berger und Jürgen Feldhoff:

Ein berührender Film über die über 50-jährige Karriere der wandelbaren Künstlerin. Am Ende standen Gitte Tränen in den Augen: „Großartig gelungen“.

 

OMM - Online Musik Magazin, Frank Becker :

Marc Boettcher hat ganz eindeutig ein Händchen für Film- Biographien von Stars der Musikbranche, wie er eindrucksvoll mit seinem Film "Strangers in the Night" über Bert Kaempfert belegt hat, den wir Ihnen bereits vorstellen konnten. Im vergangenen Jahr legte Boettcher mit "Ich will alles" die intime Biographie einer außergewöhnlichen Sängerin vor: Gitte Hænning. Die charaktervolle, schöne und unerhört talentierte Frau aus dem dänischen Århus hat dem sensiblen Regisseur den Blick auf die gefährliche Achterbahn einer bewegten, turbulente Karriere und ihr dramatisches Leben mit allen Höhen und Tiefen gestattet - und Marc Boettcher hat ein sympathisches ehrliches Bild von Gitte Hænning gezeichnet. In etlichen für diesen Film gemachten und aus früheren Fernsehproduktionen zusammengestellten Interviews äußern sich die heute 62 Jahre alte Künstlerin, Familienmitglieder, Freunde und Kollegen sehr offen zu beiden Seiten der schimmernden Medaille. Marc Boettcher zeigt schonungslos die trotz allen scheinbaren Glanzes im Endeffekt überwiegend dunkle, beklemmende Seite. Die Frau, deren Leben hier rücksichtsvoll aufgearbeitet wird, gewinnt allerdings dabei. Sehr schnell wird deutlich, daß sich die wirkliche Begabung der Gitte Hænning nie hat entfalten dürfen, ihre späte energische Durchsetzung blieb vertragsbedingt halbherzig: es ist und war immer der Jazz, der ihre wahre Stärke war. Vom deutschen Schlagergeschäft wegen ihrer jugendlichen Frische vereinnahmt und zu ungezählten scheußlichen Tralala-Schlagern gezwungen und unter Wert vermarktet, blieb ungefördert, was sie wirklich konnte. 

Frühe und rare dänische Aufnahmen von Fernsehshows, Filmausschnitte und O-Töne ihrer frühen Jahre belegen mit u.a. "Stormy Weather", "Night and Day" und dem "Basin Street Blues" was in ihr steckte: eine Jazz-Sängerin von internationalem Format. Die mehrere Jahre währende Beziehung mit dem dänischen Weltklasse-Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen nährte die Neigung zum Jazz. Auch spätere Aufnahmen mit der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band, mit der man sie wieder in einen deutschen Vertrag lockte, belegen ihre Jazz-Begabung. Der dänischen Kinderstar-Zeit der 50er Jahre und der deutschen Schlager-Zeit mit u.a. Rex Gildo als "Traumpartner" in den 60er Jahren folgte ein Karriereknick Anfang der 70er. Mit einer Richtungsänderung zum Chanson schaffte es die energische Sängerin in den 80ern erneut, an ihre alte Popularität und frühere Erfolge anzuknüpfen. Die Zusammenarbeit mit Andrew Lloyd Webber gab neue Impulse. 

Nach gescheiterten Ehen und Partnerschaften, beruflichen Mißerfolgen, unstetem Leben mit Wohnsitzen u.a. in Kopenhagen, München Rom, Berlin belohnten spät eine Goldene Kamera und eine Goldene Schallplatte ihr eiserner Wille, nicht aufzugeben, den eigenen Weg zu finden.
Marian Piper hat diesen ungewöhnlich spannenden und höchst empfehlenswerten Film Marc Boettchers großartig geschnitten. Die Redaktion hatte Bernd Michael Fincke.

 

Stern.de, 18.12.2006, Thomas Soltau:

...Dass Boettcher sich auf behutsame Porträts versteht, hat er schon mit der Dokumentation "Strangers in the Night - Die Bert Kaempfert Story" bereits gezeigt. So gelingt es dem Dokumentarfilmer auch diesmal das Phänomen Gitte zu sezieren. Es geht um Träume, Ambitionen und Ziele, um die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, ihre Vorbehalte, eine Familie zu gründen. Und vor allen Dingen um die Frage, wie sie den jahrzehntelangen Spagat zwischen Schlager-Troll und anerkannter Jazzsängerin hinbekommt. Die besondere Würze erhält die sehenswerte Dokumentation allerdings durch viel unveröffentlichtes Filmmaterial - darunter ihr einziger Nacktauftritt in dem Film "De Rode Kappe", der 1967 für ziemlich viel Wirbel sorgte.

 

Jazz Podium, Oktober 2007, Reiner Kobe:

…eine hervorragende Dokumentation von Marc Boettcher, der schon mit der Bert-Kaempfert-Story aufhorchen ließ.

 

Hamburger Abendblatt, 18. Dezember 2006, Frank Knittermeier:

Marc Boettcher ist Filmproduzent aus Leidenschaft. Am Montag können sich die TV-Zuschauer überzeugen, dass dieser Mann sein Handwerk versteht.

 

Zuschauerkritik von Rainer Schmidt-Walk, ehemals Produzent bei Polydor/Universal, 4. November 2006

Noch nie sind zwei Stunden der Beschäftigung mit einem so besonderen, schwierigen Menschen so schnell, so kurzweilig, so unterhaltsam vergangen. Die offenen, ehrlichen Statements von Gitte beeindrucken. Aber Ihre Leistung als Regisseur besteht darin, dass Sie diese Äußerungen auf sehr sorgfältige Weise durch die Statements anderer relativieren, untermauern, ergänzen und zu einem tiefgehenden Psychogramm abrunden. Ihr Film hat alles: Einblicke in eine verletzliche Seele, kritische Apercus zur Musik-Industrie, sehr freimütige Stellungnahmen, die Sie den Gesprächspartnern entlockt haben. Es wird für andere Regisseure nicht leicht sein, den Standard, den Sie mit diesem Film (und auch schon mit dem Film über Bert Kaempfert) gesetzt haben, bei ähnlichen Vorhaben zu erreichen.

Never have two hours being immersed with such unique and difficult people passed by so quickly, so engagingly, in such an entertaining way. I am impressed by the frank and honest statements made by Gitte. But your contribution as director is that you have carefully supported and put into perspective what she says by including statements made by others, rounding off this insightful psychological portrait. Your film has it all: Vantage points into an injured soul, critical vignettes on the music industry, very courageous statements you have drawn from interviews. It will not be easy for other documentary filmmakers attempting similar projects to achieve the standard you have set with this film (and with the film on Bert Kaempfert).

 

Dr. Michael Kunze, Musicalautor / musical author

Ich war bereits von Ihrem Film über Alexandra sehr beeindruckt, aber diese Dokumentation über Gitte ist gewiss Ihr bisheriges Meisterwerk.

I was already impressed by your film on Alexandra, but this documentary on Gitte is certainly your masterpiece to date.

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